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Einleitung: Den Fokus schärfen
Diskussionen über GRC-Trends leiden jedes Jahr unter demselben Problem: Neue Prioritäten werden oft als gleichermaßen dringlich dargestellt, obwohl nur ein Bruchteil davon die tatsächliche Arbeitsweise in den Bereichen Governance, Risk und Compliance wirklich verändert. Das Ergebnis ist ein enormer Druck, breit gefächert zu reagieren, anstatt gezielte, bewusste Entscheidungen zu treffen.
Mit Blick auf das Jahr 2026 heißt die zentrale Herausforderung nicht mehr „Geschwindigkeit“, sondern Kontrolle. GRC-Teams bewegen sich in einem Umfeld, in dem regulatorische Erwartungen konsequenter durchgesetzt werden, externe Risiken immer schwerer zu isolieren sind und die Abhängigkeit von datengesteuerten Systemen stetig wächst. In diesem Kontext ist schnelles Reagieren weniger entscheidend als das Wissen darüber, wo die Aufsicht dauerhaft und stabil verankert sein muss.
In puncto Durchsetzung markierte das Jahr 2025 einen Wendepunkt. Europaweite Regulierungen wie der EU AI Act, DORA, CSRD und NIS2 bewegen sich in hohem Tempo von der Konsultationsphase hin zur strikten Durchsetzung. Die Anforderungen an operationelle Resilienz, Cybersicherheit, Nachhaltigkeitsberichterstattung und den Einsatz von KI überschneiden sich zunehmend. Für viele Unternehmen kamen diese Entwicklungen nicht nacheinander, sondern gleichzeitig, was die Governance-Strukturen unter Dauerbelastung setzt.

Gleichzeitig haben sich die Erwartungen von Vorständen und Regulierungsbehörden gewandelt. Reine Absichtserklärungen reichen nicht mehr aus. Unternehmen müssen heute nachweisen, wie Governance über Prozesse, Systeme und Verantwortlichkeiten hinweg funktioniert. Es gilt zu zeigen, dass Nachweise konsistent rückverfolgbar sind – und nicht erst dann mühsam zusammengetragen werden, wenn eine Prüfung ansteht. Diese Transparenz stärkt das Unternehmen auch intern: Fundierte Entscheidungen hängen heute mehr denn je von einem klaren, gemeinsamen Verständnis ab, wie Kontrollen, Verantwortlichkeiten und Risiken definiert und angewendet werden.
Dieser Blogbeitrag konzentriert sich auf die Veränderungen, die die GRC-Praxis im Jahr 2026 prägen werden. Wir beleuchten, was dieser Wandel für Teams bedeutet, die weg vom reaktiven Abarbeiten von Anforderungen und hin zu einem stabilen, operativ verankerten Governance-Ansatz wollen.
Trend #1: Von punktueller Compliance zur kontinuierlichen Aufsicht
Jährliche Audits und einmalige Assessments reichen nicht mehr aus. Das liegt nicht etwa daran, dass Audits an Bedeutung verlieren, sondern daran, dass sich die Erwartungen an den Nachweis wirksamer Kontrollen grundlegend gewandelt haben. Regulierungsbehörden erwarten heute den Beleg, dass Kontrollen über die gesamte Zeit hinweg funktionieren – und nicht nur in dem Moment, in dem geprüft wird.
Rahmenwerke wie DORA beschleunigen diesen Wandel. Die strengen Anforderungen an das IKT-Risikomanagement, die Vorfallsbearbeitung und die Überwachung lassen sich nicht rückwirkend erfüllen. Belege, die erst kurz vor einem Audit zusammengetragen werden, genügen nicht mehr, wenn Resilienz und operative Bereitschaft das ganze Jahr über auf dem Prüfstand stehen.
Infolgedessen verabschieden sich viele Unternehmen von „Compliance-Momentaufnahmen“ und bewegen sich in Richtung kontinuierlicher Überwachung. Kontrollen, Verantwortlichkeiten und die dazugehörigen Nachweise müssen jederzeit rückverfolgbar sein. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf der Vorbereitung auf das nächste Audit, sondern auf der Fähigkeit, die Wirksamkeit der Kontrollen jederzeit auf Knopfdruck nachzuweisen.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Marktverhalten wider: Laut den PwC Global Digital Trust Insights 2026 zählen 60 % der Führungskräfte Investitionen in Cybersicherheit zu ihren wichtigsten strategischen Prioritäten. Dies signalisiert einen klaren Trend hin zur kontinuierlichen Risiko- und Kontrollüberwachung anstelle gelegentlicher Überprüfungen.
In diesem Kontext wird die Wahl der GRC-Plattform entscheidend, da die kontinuierliche Überwachung nahtlos in den Arbeitsalltag eingebettet sein muss. In ADOGRC werden Nachweise als Teil regulierter Prozesse generiert und durch workflowbasierte Verantwortlichkeiten, versionierte Freigaben und revisionssichere Audit-Trails direkt umgesetzt.
Trend #2: Compliance rückt näher an den operativen Betrieb
Richtlinien allein garantieren keine Compliance. Was wirklich zählt, ist die Art und Weise, wie Anforderungen im täglichen Betrieb implementiert und gelebt werden. Bis 2026 wird die Kluft zwischen dokumentierter und tatsächlich umgesetzter Compliance immer sichtbarer, da Regulierungsbehörden und Stakeholder:innen verstärkt nach Beweisen suchen, dass Kontrollen in der Praxis effektiv greifen.
Diese Entwicklung rückt Kontrollen näher an die Geschäftsprozesse und die dafür verantwortlichen Rollen. Compliance-Anforderungen werden nicht mehr isoliert betrachtet, sondern fest in Workflows wie das Vorfallsmanagement, die Überwachung von Drittanbietern und die Business-Continuity-Planung integriert. Die Abhängigkeit von manueller Nachverfolgung und fragmentierter Dokumentation nimmt dadurch spürbar ab.
Dieser Trend zeigt sich auch in der Positionierung moderner GRC-Plattformen. Sie sind nicht mehr nur reine Ablageorte für Richtlinien, sondern fungieren als operative Infrastruktur, die eine ständige Einsatzbereitschaft sicherstellt, indem sie Verantwortlichkeiten zuweist und Nachweise direkt während der Aufgabenausführung sammelt. ADOGRC unterstützt beispielsweise die Operationalisierung von Compliance und ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit über alle Governance-Aktivitäten hinweg, indem Anforderungen aus unserer Compliance-Bibliothek direkt mit Prozessen, Rollen und den entsprechenden Assets verknüpft werden.
Trend #3: Weniger Kontrollen, bessere Vernetzung
Die bloße Erhöhung der Anzahl an Kontrollen führt nicht automatisch zu einer besseren Corporate Governance. In vielen Unternehmen bewirken komplexe und überladene Kontrolllandschaften sogar das Gegenteil: Aufwände verdoppeln sich, Prüfungen werden inkonsistent und Verantwortlichkeiten lassen sich immer schwerer zuweisen und pflegen.
Dies widerspricht der Logik einer kontinuierlichen Überwachung. Wenn Kontrollen unkoordiniert wuchern, sinkt die Transparenz, anstatt zu steigen.
Bis 2026 verschiebt sich der Fokus daher massiv in Richtung Rationalisierung. Statt ihre Kontrollkataloge ständig zu erweitern, straffen Unternehmen diese. Das Ziel sind weniger, aber dafür klar definierte und rückverfolgbare Kontrollen, die über mehrere regulatorische Rahmenwerke und Reporting-Anforderungen hinweg wiederverwendbar sind.
Dieser Ansatz unterstützt eine plattformorientierte Arbeitsweise: Kontrollen werden einmal definiert, mit den relevanten Prozessen und Rollen verknüpft und dann für verschiedene Audits und Compliance-Verpflichtungen genutzt. Governance wird dadurch wartungsfreundlicher, da die Konsistenz direkt in die Struktur eingebaut ist, anstatt manuell erzwungen werden zu müssen.
In der Praxis ist dies das operative Gegenstück zu integrierten GRC-Strategien und spiegelt die Entwicklung moderner interner Kontrollsysteme wider, die auf Kohärenz und dauerhafte Aufsicht setzen.
Trend #4: Risikodenken wandelt sich zur Resilienz
Risikomanagement entwickelt sich weg von reinen Registern und visuellen Zusammenfassungen. Nicht die Werkzeuge selbst ändern sich, sondern ihre Rolle: Für sich allein genommen helfen sie Unternehmen nicht dabei, Störungen vorherzusehen oder Reaktionen zu koordinieren, wenn sich die Bedingungen ändern.
Die letzten Jahre haben diese Lücke deutlich gemacht. Cybervorfälle, Abhängigkeiten von Drittanbietern und geopolitische Entwicklungen führen immer häufiger zu realen Störungen. Wenn Risiken nicht mehr nur hypothetisch sind, sondern regelmäßig eintreten, verlagert sich der Fokus: Weg von der bloßen Kategorisierung, hin zum Verständnis, wie Risiken ablaufen und wie das Unternehmen darauf reagiert. Risiko-Assessments werden so zum operativen Werkzeug, das durch die Klärung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung die Priorisierung und Krisenvorsorge direkt steuert.
Dies spiegelt sich auch in den aktuellen regulatorischen Erwartungen wider. Unter Rahmenwerken wie NIS2 und DORA werden Cybersicherheit und das Risikomanagement von Drittanbietern als Kernelemente der organisatorischen Resilienz behandelt. Parallel dazu weiten die Anforderungen von CSRD und CSDDD die Risikobetrachtung über den internen Betrieb hinaus auf die gesamte Lieferkette aus. Diese Verpflichtungen erhöhen den Bedarf an funktionsübergreifender Koordination und beenden das Silo-Denken bei der Risikoverantwortung.
Ein starkes Risikomanagement definiert sich 2026 daher weniger über die Größe des Risikoinventars als vielmehr über die Vorbereitung. Unternehmen müssen testen, wie sie reagieren würden, Verantwortlichkeiten für Ernstfälle klären und sicherstellen, dass Informationen unter Druck fließen. Regulierungsbehörden und Stakeholder:innen achten nicht mehr auf die Menge der identifizierten Risiken, sondern auf die Fähigkeit, operative Kontrolle nachzuweisen, wenn Risiken tatsächlich eintreten.
Trend #5: Vertrauenswürdige Daten als GRC-Differenzierungsmerkmal
In vielen Unternehmen sind Nachweise nach wie vor über verschiedenste Tools und Formate verstreut. Das führt zu massiven praktischen Problemen: Teams verlieren wertvolle Zeit damit, Versionen abzugleichen, Zuständigkeiten zu klären, Audit-Trails zu rekonstruieren und Fehler zu korrigieren, die erst durch diese Fragmentierung entstehen. Die Ergebnisse der PwC Global Digital Trust Insights 2026 unterstreichen diese Lücke: Nur ein kleiner Teil der Unternehmen hat die untersuchten Maßnahmen zum Datenrisikomanagement bereits vollständig umgesetzt. Das Problem ist hierbei nicht mangelnder Wille, sondern die operative Umsetzung.
Compliance-Funktionen erkennen daher zunehmend die Notwendigkeit zentralisierter Informationsstrukturen. Dabei geht es nicht um Konsolidierung als Selbstzweck, sondern um Transparenz und Verlässlichkeit. Wenn Governance-Daten konsistent und rückverfolgbar sind, wird das Reporting stabiler – und Entscheidungen basieren auf einem gemeinsamen Verständnis des Ist-Zustands.
In diesem Umfeld fungieren GRC-Plattformen eher als Informationsrückgrat denn als reine Reporting-Ebene. In ADOGRC dient die integrierte Compliance-Bibliothek (mit über 1.000 Kontrollzielen, 30 Standards und über 40 Domänen) zusammen mit den Daten aus Kontrollen, Risiken und Prozessen als digitaler Zwilling Ihrer Organisation. Dies macht Abhängigkeiten sowie die Auswirkungen von Veränderungen sichtbar und unterstützt fundierte Entscheidungen auf Basis verlässlicher, kontinuierlich gepflegter Informationen.
Trend #6: KI legt die Messlatte für Governance höher (still und leise)
KI ersetzt GRC nicht; sie verstärkt vielmehr dessen Bedeutung. Je alltäglicher KI-gestützte Entscheidungen werden, desto stärker rückt die Erwartung in den Fokus, dass Unternehmen nicht nur Prozesse kontrollieren, sondern auch die Annahmen, Verantwortlichkeiten und Grenzen, die diese Entscheidungen prägen.
Diese Erwartung wird durch den EU AI Act formalisiert. Seit 2024 wurden dessen Anforderungen stufenweise eingeführt, wobei der Schwerpunkt immer stärker auf Transparenz, der Klassifizierung von KI-Systemen und der laufenden Aufsicht liegt. Unternehmen müssen nachweisen, wie KI-Systeme in der Praxis überwacht und gesteuert werden – nicht nur, wie sie entworfen wurden.
Tipp: Überprüfen Sie mit unserem interaktiven, kostenlosen Selbstcheck, wie gut Sie auf den EU AI Act vorbereitet sind.
Für das Jahr 2026 ist die Schlussfolgerung rein praktischer Natur: Unternehmen benötigen keine allumfassende KI-Strategie, bevor sie handlungsfähig werden. Was sie brauchen, ist Klarheit über die zulässige Nutzung, definierte Transparenzpflichten und klar zugewiesene menschliche Aufsicht. Ohne dieses Fundament bleibt der Einsatz von KI vor den Augen der Regulierungsbehörden schwer zu rechtfertigen.
Hier unterstützen GRC-Plattformen primär die Struktur, nicht die Strategie. In ADOGRC können Unternehmen genau bestimmen, welche Anforderungen des AI Acts für ihre Systeme relevant sind, und diese direkt mit den betroffenen Prozessen und Anwendungsfällen verknüpfen. Risiken und Verantwortlichkeiten bleiben über die gesamte Landschaft hinweg rückverfolgbar. Das ermöglicht eine End-to-End-Transparenz und den Nachweis, dass die KI-Governance fest in bestehende Kontrollstrukturen eingebettet ist.
Was das für GRC-Verantwortliche im Jahr 2026 bedeutet
Im Jahr 2026 sollten GRC-Leader ihren Fokus auf die folgenden Prioritäten legen:
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Von reaktiven Audits zu ständiger Prüfungsbereitschaft: Stellen Sie sicher, dass Nachweise, Handlungsgrundlagen und Verantwortlichkeiten jederzeit abrufbar sind.
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Stärkung der operativen Resilienz: Integrieren Sie Cyber-, Drittparteien- und Kontinuitätsrisiken enger in Ihre GRC-Landschaft.
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Investition in Datenvertrauenswürdigkeit: Verlässliche Informationen sind die Grundvoraussetzung für Automatisierung und KI-gestützte Entscheidungen.
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Governance im Alltag verankern: Betten Sie GRC-Prozesse direkt in den operativen Betrieb ein, um manuelle Übergaben und Reibungsverluste bei der Compliance zu reduzieren.
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Daten- und Deployment-Souveränität sicherstellen: Angesichts zunehmender geopolitischer Volatilität ist die volle Kontrolle über Ihre Daten und Infrastruktur geschäftskritisch.
Tipp: ADOGRC ist vollständig containerisiert und kann als SaaS, in der Private Cloud oder On-Premise bereitgestellt werden. Das garantiert Ihnen die volle Souveränität über Ihre Daten und Ihre Deployment-Strategie.
Die wichtigsten GRC-Prioritäten für Führungskräfte im Jahr 2026
Fazit: Konzentration auf das Wesentliche
Zusammengenommen weisen die Entwicklungen für 2026 in eine klare Richtung: Die Erwartungen verschieben sich weg von punktuellen Compliance-Nachweisen hin zu Strukturen, die kontinuierlich funktionieren und jederzeit erklärbar sind. Governance wird operativer, ist enger mit der täglichen Arbeit verzahnt und hängt mehr von verlässlichen Informationen als von statischer Dokumentation ab.
Erfolgreich sind die Unternehmen, die auf klare Verantwortlichkeiten, konsistente Kontrollen und transparente Nachweise über ihre gesamte Landschaft hinweg setzen. Dies erfordert nicht mehr Frameworks oder eine höhere Komplexität, sondern einen bewussteren Ansatz, wie Governance in der Praxis verankert, gepflegt und nachgewiesen wird.
Quellen:
European Union – Digital Operational Resilience Act (DORA)
European Commission. Digital Operational Resilience Act (Regulation (EU) 2022/2554).
European Union – Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
European Commission. Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD).
https://finance.ec.europa.eu/capital-markets-union-and-financial-markets/company-reporting-and-auditing/company-reporting/corporate-sustainability-reporting_en
European Union – Network and Information Security Directive (NIS2)
European Commission. Directive (EU) 2022/2555 (NIS2).
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/nis2-directive
European Union – Artificial Intelligence Act (AI Act)
European Commission. Artificial Intelligence Act.
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/european-approach-artificial-intelligence
PwC – 2026 Global Digital Trust Insights
PwC. 2026 Global Digital Trust Insights: C-suite playbook and findings.
October 2025.
https://www.pwc.com/us/en/services/consulting/cybersecurity-risk-regulatory/library/global-digital-trust-insights.html
Gartner – Agentic Automation & GRC Context
Gartner. Predicts 2026: The New Era of Agentic Automation Begins.
December 2025.
BOC Group. EU AI Act erklärt: Mit GRC den Sprung zu AI-Readiness schaffen.
https://www.boc-group.com/de/blog/grc/eu-ai-act-grc-als-fundament/






