Wenn vertraute Technologie zum versteckten Risiko wird

Manche Technologien sind über Jahre hinweg im Einsatz – oft ohne große Aufmerksamkeit. Sie funktionieren „irgendwie“, man kennt ihr Verhalten, und solange nichts offensichtlich schiefläuft, stellt sie kaum jemand infrage. Kommt es doch zu Problemen, wird meist schnell nachgebessert. Eine kleine Anpassung hier, ein Workaround dort.

Häufig nehmen Teams diese Entwicklung lange vor formellen Reviews wahr. Sie umgehen kleine Schwächen, fassen das System nur noch vorsichtig an und hoffen, dass es „noch eine Weile hält“. Mit der Zeit häufen sich diese Eingriffe. Was kurzfristig pragmatisch wirkt, entwickelt sich schleichend zu einem Kostentreiber und Risikofaktor.

Die eigentliche Herausforderung liegt also darin zu erkennen, wann diese Signale zusammengenommen einen Wendepunkt markieren. Ein strukturiertes Technologie-Lebenszyklus-Management schafft genau diese Transparenz. Es zeigt, wie gut eine Technologie den Arbeitsalltag noch unterstützt – und wo sie beginnt, den Anforderungen hinterherzuhinken. Auf dieser Basis lassen sich fundierte Entscheidungen treffen: behalten, modernisieren oder gezielt ablösen.

Was ist eigentlich ein Legacy-System?

Eine Legacy-System, auch Altsystem genannt, ist nicht per se alt. Sie wird dann zur Legacy, wenn sie nicht mehr zu den aktuellen Anforderungen der Organisation passt. In der Praxis bedeutet das: Leistung, Sicherheit oder Skalierbarkeit reichen nicht mehr aus, um heutige Geschäftsprozesse zuverlässig zu unterstützen.

Ab diesem Punkt entstehen oft verdeckte Kosten. Veraltete Schnittstellen verursachen manuelle Zusatzarbeit. Nicht mehr unterstützte Komponenten erfordern ständige Aufmerksamkeit. Der Support durch Hersteller wird langsamer – und Fachkräfte, die sich noch mit dem System auskennen, werden immer schwerer zu finden.

Entscheidend ist also nicht, wie lange ein System schon im Einsatz ist, sondern ob sie die Art und Weise, wie Ihr Unternehmen heute arbeitet, noch sinnvoll unterstützt. Werden die Lücken zwischen Erwartung und tatsächlicher Leistung größer, sind das klare Warnzeichen. Im Folgenden zeigen wir fünf davon.

Anzeichen 1: Steigende Wartungskosten überholen den Nutzen

Jede Technologie hat einen Break-Even-Point. Solange Nutzen und Aufwand in einem gesunden Verhältnis stehen, ist alles im Lot. Idealerweise wächst der Mehrwert über die Zeit, während der Betriebsaufwand überschaubar bleibt.

Problematisch wird es, wenn sich dieses Verhältnis umkehrt. Typische Hinweise darauf sind:

  • Häufigere Patches und individuelle Sonderlösungen, nur um den Betrieb aufrechtzuerhalten
  • Steigende Lizenz- oder Wartungskosten
  • Sinkende Verfügbarkeit von Support
  • Abhängigkeit von seltenen, teuren Spezialkenntnissen

In dieser Phase binden Legacy-Systeme Budgets, die eigentlich für Modernisierung oder Innovation gedacht wären.

Anzeichen 2: End-of-Life beim Hersteller (EoL)

Erreicht eine Technologie das End-of-Life beim Hersteller, wird sie zum echten Risiko. Ohne Updates, Patches oder Sicherheitsfixes steigt die Angriffsfläche – ebenso wie das Risiko von Compliance-Verstößen. Audit-Findings sind häufig die Folge, und bei Vorfällen fehlt plötzlich der Rückhalt durch den Hersteller.

Ein professionelles Technologie-Lebenszyklus-Management hilft, diese Risiken frühzeitig zu erkennen. EoL-Daten werden transparent nachverfolgt, Verantwortliche rechtzeitig informiert und ausreichend Zeit für Upgrade- oder Ablöseentscheidungen geschaffen – statt erst zu reagieren, wenn Handlungsoptionen stark eingeschränkt sind.

Tipp: Erfahren Sie, wie ADOIT das EoL-Tracking von einer manuellen Aufgabe zu einem automatisierten, erkenntnisgetriebenen Bestandteil des EAM macht.

Anzeichen 3: Integrations- oder Performance-Engpässe

In modernen IT-Landschaften werden Legacy-Systeme häufig zum schwächsten Glied. Während andere Komponenten weiterentwickelt werden, können ältere Systeme nicht Schritt halten. Die Folgen sind langsame Reaktionszeiten, instabile Integrationen und eine wachsende Zahl manueller Workarounds, die Zeit und Produktivität kosten.

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen: Solche Systeme bremsen Transformationsinitiativen aus und werden vom Enabler zum Hindernis. Was eigentlich Innovation unterstützen sollte, steht ihr plötzlich im Weg.

Anzeichen 4: Sicherheits- und Compliance-Lücken

Viele ältere Systeme erfüllen heutige Sicherheitsstandards nicht mehr. Funktionen wie Multi-Faktor-Authentifizierung fehlen, Verschlüsselungsverfahren sind veraltet oder lassen sich nicht flexibel anpassen. Diese Defizite erhöhen nicht nur das Risiko von Sicherheitsvorfällen, sondern erschweren auch die Einhaltung neuer regulatorischer Anforderungen. Das Problem: Das System kann sich nicht schnell genug an veränderte Erwartungen anpassen.

Technologie-Lebenszyklus-Management macht diese Schwachstellen sichtbar und ordnet sie klar ein. So lassen sich Upgrades oder Ablösungen geplant angehen – statt unter dem Druck eines akuten Sicherheitsvorfalls handeln zu müssen.

Anzeichen 5: Fehlendes Wissen und Know-how-Verlust

Wird eine Technologie nur noch von wenigen Personen verstanden, steigt das Risiko rapide. Jeder Fehler, jedes Update hängt von diesem kleinen Kreis ab. Das verlangsamt die Problemlösung und erhöht die Störanfälligkeit.

Verlassen diese Schlüsselpersonen das Unternehmen oder stehen kurzfristig nicht zur Verfügung, entsteht schnell eine kritische Situation. Spätestens dann wird deutlich: Diese Technologie lässt sich nicht mehr nachhaltig betreiben. Der Punkt, an dem Ablösung oder Ersatz geplant werden sollte, ist erreicht.

Was tun, wenn sich die ersten Warnsignale zeigen?

Die Anzeichen veralteter Technologien zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt – aber eben nur der Anfang. Um unnötige Kosten, Risiken und Unterbrechungen zu vermeiden, braucht es nun konkrete Maßnahmen.

1. Auswirkungen und Abhängigkeiten analysieren

Verschaffen Sie sich einen vollständigen Überblick darüber, was von der jeweiligen Technologie abhängt – von Geschäftsprozessen und Integrationen über Teams bis hin zu Business Services. Erst wenn das gesamte Betriebsmodell transparent ist, lassen sich Überraschungen bei Ablösung oder Stilllegung vermeiden.

2. Alternativen bewerten

Nutzen Sie Methoden wie Technologie-Scouting oder eine IT-Portfolio-Analyse, um geeignete Ersatzlösungen zu identifizieren. Entscheidend ist nicht nur, dass neue Technologien aktuelle Anforderungen erfüllen, sondern dass sie sich auch nahtlos in Ihre bestehende Architektur einfügen – als Basis für Skalierbarkeit, Sicherheit und nachhaltige Modernisierung.

3. Stilllegung gezielt planen

Erstellen Sie eine klare Decommissioning-Roadmap. Definieren Sie Anforderungen, verteilen Sie Verantwortlichkeiten und minimieren Sie Ausfallzeiten. So stellen Sie einen reibungslosen Übergang sicher.

4. In das Technologie-Lebenszyklus-Management integrieren

Verankern Sie die Planung von Ablösungen fest in Ihrem Technologie-Lebenszyklus-Management. Das hilft, ähnliche Probleme künftig zu vermeiden und Ihre Technologielandschaft kontrolliert und planbar weiterzuentwickeln.

Enterprise-Architecture-Management-Plattformen wie ADOIT unterstützen diesen Prozess ganzheitlich – mit zentralen Technologiedaten, automatisiertem End-of-Life-Tracking, der einfachen Erstellung von Decommissioning-Roadmaps und umfassenden Funktionen für das Technologie-Lebenszyklus-Management.

Handeln Sie, bevor es zum Ausfall kommt

Legacy-Systeme kündigen Probleme meist lange im Voraus an. Wer früh reagiert, verhindert, dass Warnsignale zu echten Störungen werden. Eine geplante Ablösung ist deutlich einfacher zu steuern als eine Notfallmaßnahme, die genau dann notwendig wird, wenn es am wenigsten passt.

Technologie-Lebenszyklus-Management hilft dabei, Risiken rechtzeitig sichtbar zu machen. Mit einem klaren Blick auf kritische Technologien steuern Sie Veränderungen souverän – und halten Ihre IT-Landschaft stabil, während sie sich weiterentwickelt.

Zarządzanie cyklem życia technologii

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