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Einleitung
Nachhaltigkeit ist im heutigen Unternehmensumfeld längst mehr als eine Pflichtübung. Sie hat sich zu einem strategischen Erfolgsfaktor entwickelt – und zu einem klaren Wettbewerbsvorteil. Unternehmen hinterfragen zunehmend, wie sie arbeiten, wie sie Wert schaffen und welchen Einfluss ihre Abläufe auf Leistung, Umwelt und Gesellschaft haben.
Viele Nachhaltigkeitsinitiativen konzentrieren sich dabei auf energieeffiziente Gebäude, grüne Lieferketten oder den Einsatz erneuerbarer Ressourcen. Ein zentraler Hebel bleibt jedoch häufig unbeachtet: die Geschäftsprozesse selbst.
Genau hier setzt Grünes GPM (Grünes Geschäftsprozessmanagement) an. Als Auftakt unserer Serie über Grünes GPM stellt dieser Beitrag das Konzept vor, erklärt seine strategische Relevanz und zeigt, wie Unternehmen Nachhaltigkeit systematisch im Kern ihrer operativen Abläufe verankern können.
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Was ist Grünes GPM?
Grünes GPM verbindet Nachhaltigkeitsdenken mit den Prinzipien des Geschäftsprozessmanagements (GPM). Prozesse werden dabei nicht mehr ausschließlich nach Zeit, Kosten und Qualität bewertet, sondern auch nach ihrem ökologischen Fußabdruck.
Im Kern geht es bei Grünem GPM darum, Prozesse gezielt so zu gestalten, zu analysieren, zu optimieren und zu überwachen, dass sie Umweltbelastungen reduzieren und gleichzeitig die operative Leistungsfähigkeit erhöhen. Aufbauend auf dem klassischen GPM-Lebenszyklus erweitert Grünes GPM die Perspektive um ökologische Leistungskennzahlen, zum Beispiel:
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die Reduktion von CO₂-Emissionen
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die Senkung des Energieverbrauchs
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die Vermeidung von Abfällen
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den effizienteren Einsatz von Materialien und Ressourcen
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die Gestaltung umweltfreundlicher, ressourcenschonender Workflows
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die Integration von Nachhaltigkeitskennzahlen in Prozess-KPIs
Kurz gesagt: Grünes GPM bringt Prozessexzellenz und ökologische Verantwortung in Einklang.
Warum Grünes GPM gerade jetzt entscheidend ist
- Nachhaltigkeit wird zur geschäftlichen Pflicht
Weltweit verschärfen Regulierungsbehörden die Anforderungen an ESG-Reporting und nachhaltiges Wirtschaften. Gleichzeitig erwarten Kund:innen, Mitarbeitende und Investor:innen zunehmend Transparenz sowie verantwortungsvolle Unternehmensführung. - Effiziente Prozesse = niedrigerer ökologischer Fußabdruck
Ineffiziente Prozesse verbrauchen unnötig Energie, Materialien und Zeit. Durch die gezielte Optimierung von Abläufen lassen sich Umweltbelastungen reduzieren und operative Kosten senken – ein echter Win-win-Effekt für Unternehmen und Umwelt. - Digitale Transformation braucht eine Nachhaltigkeitsperspektive
Ob Automatisierung, Cloud-Migration oder der Einsatz von KI: Digitale Transformation verändert Prozesse grundlegend. Grünes GPM stellt sicher, dass diese Veränderungen nicht nur leistungsfähig, sondern auch skalierbar und ökologisch verantwortungsvoll umgesetzt werden. - Sinnorientierte Prozesse stärken die Wettbewerbsfähigkeit
Unternehmen, die Nachhaltigkeit konsequent in ihre täglichen Abläufe integrieren, heben sich klar vom Wettbewerb ab und schaffen Vertrauen in die Marke. - Grünes GPM schafft messbare Wirkung
Im Gegensatz zu abstrakten Nachhaltigkeitsversprechen sind Prozessverbesserungen konkret. Ihre Effekte lassen sich messen, nachvollziehen und unternehmensweit reproduzieren.
Wie Grünes GPM funktioniert
Grünes GPM verankert Nachhaltigkeitsprinzipien entlang des gesamten Geschäftsprozessmanagement-Lebenszyklus (GPM). Anstatt zusätzliche Ebenen einzuführen, baut der Ansatz auf bewährten GPM-Praktiken auf und ergänzt sie um ökologische Kriterien im täglichen Prozessmanagement.
Die folgenden Phasen werden anhand des Prozessmanagement-Lebenszyklus (PMLC) der BOC Group als praxisnahes Referenzmodell erläutert.

1. Strategisches Geschäftsprozessmanagement
Grünes GPM beginnt auf strategischer Ebene. Bevor Prozesse analysiert oder neu gestaltet werden, braucht es Klarheit darüber, wo Nachhaltigkeitsmaßnahmen die größte Wirkung haben.
In dieser Phase betrachtet Grünes GPM die gesamte Prozessarchitektur und unterstützt Unternehmen dabei,
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ressourcenintensive, emissionsstarke oder abfallanfällige Prozesse zu identifizieren,
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deren Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette zu verstehen,
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und Verbesserungsinitiativen auf Basis erster ökologischer Kennzahlen zu priorisieren.
Baseline-Kennzahlen wie Energieverbrauch, Emissionen oder Materialeinsatz dienen dabei als Referenz für Priorisierung und spätere Erfolgsmessung. Die strategische Phase wirkt somit wie ein Scheinwerfer: Sie stellt sicher, dass Nachhaltigkeitsinitiativen gezielt dort ansetzen, wo sie tatsächlich zu messbar grüneren Prozessen führen können.
2. Prozessdesign & Dokumentation
Sind die relevanten Prozesse definiert, folgt der nächste entscheidende Schritt: Transparenz schaffen. Nachhaltige Prozessverbesserungen setzen ein klares Verständnis voraus, wie Arbeit tatsächlich ausgeführt wird.
Während das strategische GPM festlegt, welche Prozesse im Fokus stehen, zeigt das Prozessdesign, wie diese Abläufe in der Praxis funktionieren. Dazu gehören die End-to-End-Betrachtung von Workflows, die Dokumentation von Rollen und Systemen sowie die Sichtbarmachung von Ressourcenverbrauch und Abfallquellen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Prozessmodellierung. Prozessmodelle – etwa BPMN-Modelle, die in ADONIS erstellt werden – entwickeln sich von reinen Ablaufdarstellungen zu ökologisch angereicherten Abbildungen der Realität. Nachhaltigkeitsattribute machen Umweltwirkungen sichtbar, diskutierbar und steuerbar.
Zentrale Aspekte des Grünen GPMs im Prozessdesign sind unter anderem:
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das Erkennen von Engpässen mit unnötigem Energie- oder Ressourcenverbrauch,
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die Dokumentation ökologischer Kosten einzelner Aktivitäten (z. B. Energiebedarf oder CO₂-Emissionen),
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sowie die direkte Verankerung von Nachhaltigkeitszielen im Prozessmodell (etwa die Reduktion des Papierverbrauchs um 80 %).
Diese Phase legt das Fundament für eine fundierte, nachhaltigkeitsgetriebene Analyse.
3. Prozessanalyse & Optimierung
Sind Prozesse klar dokumentiert, können Unternehmen ihre ökologische Leistung systematisch bewerten und gezielt Verbesserungspotenziale identifizieren.
Grünes GPM erweitert die klassische Prozessanalyse um eine entscheidende Perspektive: Es geht nicht nur darum, wie effizient ein Prozess ist, sondern auch wie nachhaltig.
Typische Fragestellungen in dieser Phase sind unter anderem:
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Wo befinden sich ökologische Hotspots im Prozess?
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Welche Schritte verursachen unnötigen Abfall oder Emissionen?
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An welchen Stellen kann Technologie den Ressourcenverbrauch senken?
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Welche redundanten oder ineffizienten Aktivitäten erhöhen den ökologischen Fußabdruck?
Bewährte Methoden wie die Ökobilanz (LCA) können diese Phase sinnvoll unterstützen, indem sie strukturierte Einblicke in Umweltwirkungen entlang des gesamten Prozess- oder Produktlebenszyklus liefern. Auch wenn eine detaillierte Betrachtung von LCA den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, ist ihre Rolle als Entscheidungsgrundlage für nachhaltige Prozessverbesserungen anerkannt und etabliert.
Das Ergebnis dieser Phase ist eine datenbasierte Grundlage für gezielte, wirkungsvolle Veränderungen.
4. Prozessimplementierung & Change Management
Erkenntnisse und neu gestaltete Prozesse entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie erfolgreich in die Praxis überführt werden.
In dieser Phase legt Grünes GPM den Fokus auf:
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die Umsetzung neu gestalteter, ressourcenschonender Workflows,
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die Abstimmung von Menschen, Technologien und Nachhaltigkeitszielen,
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sowie die Integration ökologischer KPIs in operative Steuerung und Governance.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Change Management. Nachhaltige Prozesse müssen verstanden, akzeptiert und konsequent gelebt werden. Ohne gezielte Begleitung der Mitarbeitenden laufen selbst durchdachte Verbesserungen Gefahr, theoretisch zu bleiben und im Alltag nicht wirksam zu werden.
5. Prozessausführung & Betrieb
Nach der Implementierung werden grüne Prozesse Teil des operativen Alltags. Genau hier zeigt sich, ob Nachhaltigkeitsziele tatsächlich gelebt werden.
Aus der Sicht des Grünen GPMs steht in dieser Phase im Mittelpunkt, dass Prozesse wie vorgesehen ausgeführt werden und der Ressourcenverbrauch mit den definierten Nachhaltigkeitszielen übereinstimmt. Abweichungen – etwa durch Workarounds, Systemgrenzen oder veränderte Rahmenbedingungen – können erzielte ökologische Effekte schnell zunichtemachen, wenn sie nicht erkannt und adressiert werden.
Diese Phase verbindet strategische Nachhaltigkeitsambitionen mit der operativen Realität und macht ökologische Leistung im täglichen Arbeiten sichtbar.
6. Prozesscontrolling & Feedback
Die letzte Phase schließt den Kreis und schafft die Grundlage für kontinuierliche Verbesserung.
Grünes GPM setzt hier auf das systematische Monitoring relevanter Kennzahlen wie Energieverbrauch, Abfallmengen oder Emissionen. Dashboards und Alarme für Nachhaltigkeits-KPIs helfen dabei, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern, bevor erzielte Verbesserungen wieder verloren gehen.
Gleichzeitig gilt es, typische Stolpersteine zu vermeiden – etwa eine Überfrachtung mit KPIs, unklar definierte Kennzahlen oder Entscheidungen auf Basis unvollständiger Daten. Erst wenn Erkenntnisse aus Controlling und Feedback konsequent in strategische Entscheidungen sowie in Prozessdesign und -optimierung zurückfließen, wird Nachhaltigkeit zu einer dauerhaften organisatorischen Fähigkeit und nicht zu einer einmaligen Initiative.
Übersichtstabelle: Lebenszyklus des Grünen GPMs
| PMLC-Phase | Fokus des Grünen GPMs |
|---|---|
| Strategisches Geschäftsprozessmanagement | Nachhaltigkeitsrelevante Prozesse identifizieren und ökologische Prioritäten festlegen |
| Prozessdesign & Dokumentation | Prozesse mit Nachhaltigkeitsattributen dokumentieren und Umweltwirkungen sichtbar machen |
| Prozessanalyse & Optimierung | Ökologische Hotspots, Ursachen und gezielte Verbesserungspotenziale identifizieren |
| Prozessimplementierung & Change Management | Nachhaltige Prozessdesigns umsetzen und Akzeptanz im Arbeitsalltag sicherstellen |
| Prozessausführung & Betrieb | Prozesse im Einklang mit definierten Nachhaltigkeitszielen betreiben |
| Prozesscontrolling & Feedback | Nachhaltigkeits-KPIs überwachen und kontinuierliche Verbesserung vorantreiben |
Wer profitiert von Grünem GPM?
- Unternehmen profitieren von geringeren Kosten, besserer regulatorischer Compliance und einer gestärkten Reputation.
- Kund:innen erhalten Leistungen von verantwortungsvoll und ethisch handelnden Organisationen.
- Mitarbeitende erleben Sinnhaftigkeit im Arbeitsalltag und eine stärkere Übereinstimmung mit ihren persönlichen Werten.
- Die Umwelt profitiert durch geringere Emissionen, weniger Abfall und einen effizienteren Umgang mit Ressourcen.
Grünes GPM schafft Mehrwert für alle Stakeholder:innen entlang des gesamten Systems.

Die Zukunft des Geschäftsprozessmanagements ist grün
Mit Nachhaltigkeit als zentraler Säule der Unternehmensstrategie kann sie nicht länger neben dem operativen Geschäft stehen – sie muss Teil davon sein. Genau hier setzt Grünes GPM an: Es schafft eine strukturierte Verbindung zwischen ökologischer Verantwortung und der Art und Weise, wie Arbeit tagtäglich gestaltet, ausgeführt und verbessert wird.
Anstatt Nachhaltigkeit als isolierte Initiative zu behandeln, integriert Grünes GPM sie direkt in den Geschäftsprozessmanagement-Lebenszyklus. Fortschritte werden dadurch messbar, wiederholbar und skalierbar. Genau das macht den Unterschied – und verwandelt Nachhaltigkeitsambitionen in operative Realität.
Für Unternehmen, die bereits mit GPM-Tools wie ADONIS arbeiten, bieten Grüne GPM-Konzepte wie die prozessbasierte Methode für nachhaltige Entwicklung einen praxisnahen Einstieg. Sie ermöglichen es, Nachhaltigkeitsprinzipien konsequent umzusetzen, ohne bestehende Prozessmethoden neu erfinden zu müssen.
Dieser Beitrag bildet den Auftakt unserer Serie über Grünes GPM. In den kommenden Artikeln schlagen wir die Brücke von der Theorie zur Praxis und zeigen unter anderem:
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wie sich aussagekräftige Nachhaltigkeitskennzahlen und KPIs definieren und nachverfolgen lassen,
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wie die prozessbasierte Methode für nachhaltige Entwicklung anhand konkreter Use Cases funktioniert,
-
welche Tools und Technologien nachhaltiges Geschäftsprozessmanagement gezielt unterstützen.
Grünes GPM ist kein kurzfristiger Trend. Es ist der nächste logische Schritt hin zu intelligenteren, verantwortungsvolleren Organisationen – by design.
Neugierig, wie Grünes GPM in der Praxis funktioniert?





